Tag 1
Ankommen
Nicht sofort beginnen.
Nachmittag: Ankunft. Wir beziehen die Zimmer und gehen gemeinsam durch den Olivenhain.
Später Nachmittag: Erstes Zusammenkommen als Gruppe. Jeder erzählt so viel von sich, wie er in diesem Moment erzählen möchte.
Abend: Gemeinsames Essen, Wein, Einführung in die kommenden Tage. Keine große Eröffnungsrunde, keine Ziele. Vielleicht nur eine Frage: Was darf in diesen Tagen einmal nicht wichtig sein?
Tag 2
Schweigen
Wenn die Erklärungen aufhören.
Morgen: Das Schweigen beginnt nach dem Aufstehen. Wir gehen gemeinsam, frühstücken schweigend.
Vormittag: Arbeit im Olivenhain — schneiden, sammeln, alles was ein Olivenhain mag. Die Arbeit gibt den Händen zu tun und lässt den Kopf leiser werden.
Nachmittag: Zeit gern allein — schlafen, lesen, gehen, baden im Pool oder Meer.
Abend: Stilles Essen. Das Schweigen endet nicht mit einem Signal — wer sprechen möchte, spricht.
Tag 3
Der Mantel
Was trage ich, obwohl ich das nicht mehr brauche?
Morgen: Gehen, Bewegung, Frühstück.
Vormittag: Ein Gespräch entsteht über das, was wir tragen: Verantwortung, Rollen, Erwartungen, Bilder von uns selbst. Vielleicht dürfen wir sie nur für einen Moment ansehen. Danach wieder etwas Arbeit mit den Händen im Olivenhain, allein oder gemeinsam.
Nachmittag: Yoga für jeden, der mag — ohne Vorkenntnisse, als Möglichkeit, Spannung wahrzunehmen. Danach Sauna oder Ruhe.
Abend: Gemeinsames Kochen.
Tag 4
Teilnahme
Woran nehme ich teil?
Morgen: Wir wandern durch die Gallura, ihre typisch sardische Vegetation und über graue Steine, und finden Aussichten aufs Meer.
Vormittag: Im Mittelpunkt steht nicht die Frage Wer bin ich?, sondern: Woran nehme ich teil? Familie, Freundschaft, Arbeit, Natur, Gesellschaft, Leben. An diesem Tag darf die Geschichte größer werden als wir selbst.
Nachmittag: Freie Zeit.
Abend: Ein langes gemeinsames Essen ohne Thema und Moderation. Der Abend gehört der Freude.
Tag 5
Rückgabe
Was darf von mir gehen?
Morgen: Schweigend gehen, frühstücken, arbeiten.
Vormittag: Wer mag, notiert für sich, was er nicht mehr festhalten möchte. Keine dramatische Beichte — ein Satz, ein Name, eine Erwartung, eine Angst, eine Rolle. Oder ein leeres Blatt.
Nachmittag: Zeit allein im Gelände.
Abend: Wir entzünden ein Feuer. Wer möchte, gibt sein Blatt ins Feuer. Wer es behalten mag, behält es. Wer nichts aufgeschrieben hat, muss gar nichts erklären. Wir essen, trinken Wein und bleiben am Feuer, solange es gut ist.
Tag 6
Ausatmen
Ein Übergang ins Einatmen.
Morgen: Langsam beginnen — gehen, Bewegung, Frühstück, Zeit im Olivenhain ohne Aufgabe.
Später Vormittag: Wir kommen zusammen. Niemand muss sagen, was er gelernt hat. Vielleicht begleitet uns nur eine Frage: Was geschieht, wenn ich nicht sofort wieder einatme?
Damit ist nicht gemeint, den Atem anzuhalten. Es ist die Frage, ob nach diesen Tagen sofort wieder alles aufgenommen, erklärt und verwertet werden muss. Vielleicht darf etwas offen bleiben.
Abschied: Ein gemeinsames Essen. Kein Zertifikat. Keine Methode für zu Hause. Wir verabschieden uns. Der Ort bleibt da. Das Atmen geht weiter.